Wenn ich mich zurücknehme, lässt der Streit nach
Jeder Mensch hat eigene Gedanken. Aus dem heraus, was wir gesehen, was wir wissen und was wir erlebt haben, bestehen wir darauf: „Das ist richtig“ und „Meine Worte sind richtig.“ Doch wenn dieser Geist übermäßig wird, werden selbst kleine Dinge zum Streit, und ein Gespräch verwandelt sich leicht in Zusammenstoß.
In der Lehre gibt es dieses Wort:
„Wenn man sich selbst zurücknimmt und den anderen folgt, lösen sich alle Angelegenheiten; wenn man andere an sich zieht und sie dazu bringt, einem zu folgen, entstehen alle Angelegenheiten im Streit.“
Das bedeutet nicht, dass wir unsere eigenen Gedanken bedingungslos wegwerfen und uns vom Willen einer anderen Person mitziehen lassen sollen. Es bedeutet, dass wir die Ichbezogenheit und den Eigensinn ablegen, die nur am eigenen Gedanken als richtig festhalten, und auch die Worte und die Position der anderen Person betrachten sollen.
Klare Tatsachen können überprüft werden. Angelegenheiten, bei denen man objektiv sehen kann, wer recht hat und wer nicht, können ruhig untersucht werden. Doch viele Konflikte beginnen nicht mit einer Frage der Tatsachen, sondern mit einer Frage des Geistes. Wenn der Wunsch stark wird, anerkannt zu werden, die Dinge nach dem eigenen Willen laufen zu lassen und die andere Person dazu zu bringen, uns zu folgen, geraten Beziehungen leicht auf Abwege.
Sich zurückzunehmen bedeutet nicht, schwach zu werden. Es ist vielmehr die Kraft, den eigenen Geist zu lenken. Wenn ich meine Meinung leicht ablegen und den Worten einer anderen Person zuhören kann, entsteht Raum im Geist und ein Weg öffnet sich in der Beziehung.
Natürlich müssen notwendige Worte gesprochen werden. In verantwortlichen Positionen gibt es Zeiten, in denen wir klar sprechen und korrigieren müssen, was korrigiert werden soll. Selbst dann sollten wir mit Weisheit und Fürsorge sprechen, statt mit Ich-Anhaftung und Emotion voranzudrängen. Der Wunsch, gemeinsam richtig zu gehen, sollte vor dem Wunsch stehen, die andere Person zu besiegen.
Mögen wir heute nicht nur die eigene Behauptung voranstellen, sondern uns ein wenig zurücknehmen, in den Geist der anderen Person schauen und Harmonie statt Streit wählen.
Wenn wir uns zurücknehmen und anderen folgen, werden viele Angelegenheiten friedlich; wenn wir andere zwingen, unserem Willen zu folgen, entsteht Streit. Selbst wenn unser Gedanke richtig ist, brauchen wir die Weisheit, nicht mit Ich-Anhaftung daran festzuhalten und auch die Position der anderen Person zu betrachten. Mögen wir heute Zuhören statt Beharren und Harmonie statt Streit wählen.