Ein Geist, der Ende und Anfang nicht erfasst
Die heutige Lehre fragt, wie wir am letzten Tag des Jahres auf Enden und Anfänge schauen. Kalender und Zeit sind Vereinbarungen, die wir treffen, um zu leben. Wenn das Jahr wechselt und das Datum anders wird, mag es scheinen, als sei alles neu geworden. Doch das Leben selbst wird nicht in einem Augenblick vollständig abgeschnitten und beginnt dann wieder von vorn.
Im Buddhismus heißt es, dass von Anfang an nichts geschaffen wurde und nichts vollständig verschwindet. Die Worte, dass nichts entsteht und nichts vergeht, sind nicht bloß Theorie. Sie sind ein Hwadu, das uns hilft, die Gedanken von Ende und Anfang abzulegen, an denen wir festhalten.
Im Leben kann es schwierig sein, mit anderen Menschen zusammen zu sein, und oft müssen wir Unangenehmes ertragen. Allein zu leben bringt Unbehagen mit sich, und zusammen zu leben bringt ebenfalls Unbehagen mit sich. Doch dieses Unbehagen ist kein Scheitern, das aus dem Leben herausgeschnitten werden müsste. Es kann der Ort der Praxis sein, an dem ich trage, was jetzt da ist, und lerne.
Wenn das Jahr wechselt, verschwinden nicht alle Probleme in einem einzigen Augenblick. Wenn der Geist aber Enden und Anfänge nicht zu fest ergreift, können Gefühle aus der Vergangenheit etwas sanfter abgelegt werden. Klarer wird dann, was wir im Leben, das jetzt weitergeht, sehen und lernen müssen.
Halten Sie heute nicht an dem Gedanken fest, dies sei der letzte Tag, und stützen Sie sich nicht nur auf den Namen eines neuen Jahres. Schauen Sie jetzt in diesen Geist. Legen Sie für einen Moment den Gedanken von Entstehen und Vergehen ab; tragen Sie im weitergehenden Leben, was getragen werden muss, und lernen Sie, was gelernt werden muss. Das ist das heutige Hwadu am Ende des Jahres.
Auch wenn das Jahr wechselt, wird das Leben nicht vollständig abgeschnitten und neu begonnen. Enden und Anfänge können Namen sein, die wir gegeben haben. Legen Sie für einen Moment den Gedanken von Entstehen und Vergehen ab; tragen Sie im Leben, das jetzt weitergeht, was getragen werden muss, und lernen Sie, was gelernt werden muss.