Die wahre Natur zu sehen bedeutet, zu erkennen, dass wir ursprünglich Tathagata sind, und sie durch das Verhalten eines Bodhisattvas zu offenbaren
Das Sprichwort „Wenn du deine wahre Natur erkennst, wirst du sofort zum Tathagata“ wird im Seon Buddhismus oft verwendet. Aber es ist schwierig, wenn wir es einfach als die Verwandlung in ein neues Wesen verstehen. Die wahre Natur zu sehen bedeutet, die ursprüngliche Buddha-Natur und den wahren Geist eines Menschen direkt zu sehen.
Aus prinzipieller Sicht sind Lebewesen und Buddhas nicht zwei. So wie die Sonne nicht neu erschaffen wird, wenn sich die Wolken verziehen, erschafft das Sehen der wahren Natur keinen Buddha, der vorher nicht existierte. Es offenbart die Buddha-Natur, die schon immer vollkommen war.
Aus diesem Grund sagte Seon masters, dass das Sehen des Geistes selbst Buddha sei. Das Sprichwort, dass Täuschung ein fühlendes Wesen und Erwachen Buddha sei, kann von hier aus auch verstanden werden. Wenn wir einen Gedanken umdrehen und unseren eigenen Geist direkt sehen, ist die Weisheit des Tathagata bereits in ihm enthalten.
Doch vom Standpunkt der Praxis aus ist es schwer zu sagen, dass das Sehen der wahren Natur sofort die gleichen vollkommenen Verdienste und Weisheiten vervollständigt wie Shakyamuni Buddha. Das Bodhisattva-Verhalten setzt sich fort, wenn wir alte Gewohnheiten und subtile Leiden im täglichen Leben auflösen.
Am Ende ist das Erkennen der wahren Natur das Tor, durch das wir erkennen, dass wir ursprünglich Tathagata sind, und Übung ist der Weg, diese Erkenntnis durch Sprache, Handeln und Mitgefühl vollständig zu offenbaren. Das Erwachen ist keine vom Leben getrennte Erklärung; Es ist eine Praxis, die das ganze Leben lang an Bedeutung gewinnen muss.
Die wahre Natur zu sehen bedeutet nicht, neu ein Buddha zu werden; es geht darum, die Buddha-Natur in uns direkt zu sehen, die bereits vollständig ist. Doch dieses Erwachen muss weiterhin durch Bodhisattva-Verhalten und mitfühlende Praxis im täglichen Leben offenbart werden.