Wir sehen Vorlieben und Abneigungen so, wie sie sind
Der Geist erzeugt Sympathie, aber auch Abneigung. Diese Bewegungen erscheinen und verschwinden je nach den Bedingungen, genau wie Naturphänomene. Wenn der Frühling kommt, kennen wir ihn als Frühling; Wenn der Sommer kommt, kennen wir ihn als Sommer. Auf die gleiche Weise lernen wir zunächst, das Wetter des Geistes so wahrzunehmen, wie es ist.
Das tiefere Problem besteht oft nicht darin, sich selbst zu mögen oder nicht zu mögen, sondern im zweiten Geist, der daraus folgt. Wenn ein angenehmes Gefühl auftritt und wir sagen: „Das muss ich haben“, wird daraus Anhaftung. Wenn ein unangenehmes Gefühl auftritt und wir sagen: „Das muss verschwinden“, wird daraus Abneigung. Wenn der Geist zusätzlich zur ersten eine weitere Reaktion hervorruft, wird das Leiden tiefer.
Beim Üben geht es also nicht darum, Emotionen auszulöschen. Wenn Liebe erscheint, wisse, dass Liebe erschienen ist. Wenn Abneigung auftritt, wissen Sie, dass Abneigung aufgetreten ist. Aber bleib nicht dabei und erschaffe ein festes Selbst, einen festen Anderen und eine größere Geschichte. Was durch Bedingungen entsteht, kann man auch durch Bedingungen hindurchgehen lassen.
Atemmeditation funktioniert auf die gleiche Weise. Wenn der Atem einströmt, wissen Sie, dass er einströmt. Wenn er ausströmt, wissen Sie, dass er ausströmt. Wir fügen nicht „gut“ oder „schlecht“, „ich habe es gut gemacht“ oder „ich habe versagt“ hinzu. Wir kennen einfach das Phänomen, das jetzt passiert. Gedanken und Emotionen im Geist können auf die gleiche Weise gesehen werden.
Die heutige Praxis besteht nicht darin, den Geist zum Gehorsam zu zwingen. Es geht darum, den Geist klar zu kennen. Schauen Sie sich jeden Zustand genau an und schaffen Sie keine unnötige Bindung oder Abneigung darüber. Wenn wir bemerken, dass Zuneigung und Abneigung vergehen, kehrt der Geist langsam zu seinem natürlichen Fluss zurück.
Mögen und Abneigung sind natürliche Bewegungen, die durch Bedingungen entstehen. Das Leiden wächst, wenn wir zusätzlich Anhaftung und Abneigung hinzufügen. Übung besteht darin, den Geist so wahrzunehmen, wie er ist, und ihn je nach den Umständen ruhig passieren zu lassen.